„Baby, ich mache dich zum Schwan!“

Veröffentlicht: 20. Februar 2017 in Allgemein

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Die Musiktheatergruppe der IGS Franzsches Feld beeindruckt mit der deutschen Erstaufführung des Musicals „Lucky Duck“

„Ach, du meine Nase!“, möchte man ausrufen. Was ist denn in die Musiktheater-Crew „jetztodernie“ der IGS Franzsches Feld gefahren? Ein Musical ist angekündigt. „Lucky Duck!“ heißt es. Basierend auf H.C. Andersens Märchen „Das hässliche Entlein“. Also schwere Geburt, Leben auf dem Bauernhof, Schwimmen auf dem Teiche, Mobbing ohne Ende, Nahtod im Winter, schließlich schönster Schwan? Was soll da abgehen auf der Bühne?

Nun, keine Sorge. Es handelt sich um eine amerikanische Adaption des Märchens durch Henry Krieger. Und das bedeutet – ohne Hochmut gesprochen – einen sehr freien Umgang mit Vorlagen, viel assoziative Freiheit und der Wille zu aktualisieren.

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Es geht nicht um den alten Märchenstoff. Hässliche kleine Ente, die sich zum strahlenden Schwan mausert! Das ist alles, was von Andersen übernommen wird. Und daraus muss eben etwas gemacht werden, was zeitgemäß ist. Also: American Dream. Von der Tellerwäscherin zur Millionärin, etwas grob gesagt. Man ist allerdings im Reich der Tiere. Eine vegane Vogelherrschaft, Bird-o-kratie. Und siehe: dort gibt es so etwas wie den European Song Contest: Singvogelwettbewerb. Da will die graue Ente als Mega-Star groß rauskommen. Na, und dann wird der ganze musikalisch-industrielle Komplex eingearbeitet: ein Wolf als Agent, Nachtclub-Kojoten plus Tabledance, Photo-Shooting, Model-Casting. Eine irre Story, nichts für Feinsinnige. Aber mit höchst erfreulichem Ausgang, auch wenn die Liebe zwischen Schwan und Wolf ja doch eine irritierende Mesalliance ist.

Hochkomplex das alles. Eigentlich zu komplex für eine Schultheatertruppe. Jedoch: Man sitzt, sieht, lauscht und ist so verwirrt wie beeindruckt. Wie kann man so einen Stoff mit Schülerinnen und Schülern derart gekonnt zur Aufführung bringen? Musik, Drama, Tanz, Show – woher die Kraft der Akteure sich so verletzlich zu präsentieren?

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Herausforderungen auf vielen Ebenen, wie die Regisseurin, Kaja Brandenburger, und der musikalische Leiter, Felix Goltermann, im Pausengespräch erläutern. Das beginnt schon mit der Tatsache, dass es ein amerikanisches Stück ist. Darf es übersetzt werden? Wer macht das und wie? Wie lassen sich die musikalischen Vorgaben auf die Band hier übertragen? Lässt sich die Komplexität des Musicals mit Mitteln des Amateurtheaters überhaupt bewältigen?

 

„Es war ein leidenschaftliches Arbeiten aller Beteiligten. Die Kombination von Wille, Glaube an sich und Vertrauen in die Gemeinschaft hat das alles ermöglicht!“, resümiert Kaja Brandenburger. „Und klar – eine deutsche Erstaufführung auf die Bühne zu bringen, das ist auch Motivation!“

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In der Tat: Wie gekonnt da gesungen wurde, gleich ob Chor, Solo oder Duo! Broadway-Schmachtfetzen, Hardrock, Gospel, Rock ´n´ Roll, Jazziges – zusammen mit der ungemein cool aufspielenden Band „Pigs & Chicks“ wurden alle Genreklippen gemeistert. Nur der mehrstimmige Gesang war mitunter schwer zu verstehen.

 

Beeindruckend die Arbeit vor allem im Detail: Kostüme und Maske ließen Typen erkennbar werden. Hervorragend beobachtet und mimisch-gestisch witzig wiedergegeben die ganze Skala des Posens im ShowBiz. Insgesamt eine stimmige Choreographie, die die Schwierigkeiten der Brunsviga-Bühne zusammen mit der Technik produktiv zu bewältigen wusste.

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Freilich, die Absicht, mit „Lucky Duck“ nicht nur ein Comedy-Musical zu präsentieren, sondern auch gesellschaftspolitisch Stellung zu beziehen im Sinne eines Plädoyers für eine offene, tolerante Gesellschaft, diese Absicht tritt angesichts der breit angelegten und zündenden Persiflage des Showbusiness eher in den Hintergrund. Aber – in finstereren Zeiten zum Lachen gebracht zu werden, ist doch auch gut -oder?

Völlig zu Recht oft Szenenbeifall und am Ende viele Bravos und stehende Ovationen.

 

Weitere Aufführungen: Mittwoch 22. Februar bis Samstag 25. Februar einschließlich in der Brunsviga. Beginn: 19.30 Uhr.

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