Hofgarten-Idylle

Veröffentlicht: 9. Juli 2017 in Allgemein

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Die Wolters-Open-Air-Konzertreihe wird mit dem Auftritt von Gregor Meyle erfolgreich fortgesetzt

Verstörende Gleichzeitigkeit: Hamburg „G20 – Welcome to Hell“ mit Gewaltexzessen unbekannten Ausmaßes, während in Braunschweig die „Leichtigkeit des Seins“. inszeniert wird.

Es hatte schon etwas Idyllisches am Samstagabend beim Auftritt der Gregor-Meyle-Band in Wolters‘ Hofgartengelände. So etwas vom kleinen gallischen Dorf inmitten der bösen Welt. Und Meyle als Troubadix, allerdings schön gestimmt durch die Misteln des Miraculix. Dazu wunderbar warmes Wetter und Musik, die trotz des drohend-großformatigen Bühnenaufbaus nichts zudröhnte. Eine entspannte Stimmung allüberall. Meyle gleich Milde!

Schon die Vorgruppe, Jakob Bruckner und Bruder Matti, gab sich nicht als Einheizer, vielmehr als sanfte Einstimmer. Aber die Pop-Novizen müssen bei allem Schönklang noch einiges lernen. Songs müssen aus sich heraus wirken, nicht erst aufgrund längerer Erklärungen vorab.

Da ist Meyle doch von ganz anderem Kaliber, was allerdings auch kein Wunder ist bei zwanzigjähriger Bühnenerfahrung. Er hat ein klares Konzept, um seine Songs zu präsentieren. Kernpunkt ist dabei musikalische Vielfalt. Und weil er die alleine oder in kleiner Besetzung nicht hinreichend erzeugen kann, stellt er ein kleines Orchester auf die Bühne: das „Gregor Meyle Tentett“. Die üblichen Verdächtigen: Bass, Schlagzeug, Tasteninstrument und Gitarren. Dazu aber ein echte Bläser-Sektion und zwei Streicher. Und um das noch zu toppen, sind die Herren und eine Dame Multiinstrumentalisten. So kommt es, dass orchestraler Deutschpop mühelos mal im Reggae-Gewand erscheint, dann im Countrystyle. Mal irisch, mal latin, mal angerockt, mal etwas jazzig, unterfüttert mit wirkungsvollen Soloeinlagen seiner Bandkollegen.

Nicht immer ist der Sound optimal. Bei „Die Leichtigkeit des Seins“ etwa gerät der Gesang gegenüber dem Bandsound arg ins Hintertreffen, wie man überhaupt oft die Texte nicht gut versteht. Allerdings: Das ist vielleicht auch gar nicht so schlecht. Es reicht Zeilen zu erkennen. Etwa: „Siehst du die Schönheit des Planeten?“ oder – Gryphius lässt grüßen! – „Wertvollster Schatz ist unsre Seele!“ Viele Gemeinplätze, auch beliebig Aufgezähltes müssen nicht verstanden werden. Zudem erläutert Meyle oft genug, was denn sein Herzensanliegen ist, dass nämlich alles gut sein möge. Leider im Predigerstil.

Gleichviel: Meyle versteht es, sein Publikum über eine oft leicht ironisierende Ansprache und gekonnte Animation in das Konzert hinein zu ziehen. Und es lässt sich gern in den Arm nehmen und dankt mit großer Begeisterung.

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