Die lässigste Gartenparty Braunschweigs

Veröffentlicht: 6. August 2017 in Allgemein

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BBG-Open-Air-Nights am Dowesee: Folge 14 und kein bisschen traurig

Text und Fotos: Klaus Gohlke

Es sind wieder die üblichen Verdächtigen am Freitagabend auf der Bühne: Feine Herren/Drei Gitarreros, Meike Köster, ein Rest DJane. Und – natürlich „die besten Songs der Welt“, so jedenfalls sittsam bescheiden die Ankündigung. Smells like Ü50-Spirit – riecht nach sehr abgehangen?

Auch wenn es denn stimmte: Ja und? Zunächst einmal ist die erste der beiden langen BBG-Open-Airs rappelvoll. Das spricht für ein attraktives Konzept. Bestandteile sind: Etwas Gutes zu essen, alles zwischen etwas Extravaganz und erprobt Deftigem. Kleine nette Gags im Vorbeigehen, wie puschelnde Cheerleaderinnen, LEDs in der Säuleneiche. Dann ganz wichtig: Getränke, ganz viel Getränke.

Und eben die Musik, die immer wieder weit zurückreicht. Soul, Southern Rock, Country and Western, Folk, R&B. Klassiker oft, tempomäßig eher moderat. Die sind der emotionale Unterbau des ganzen Abends. Melodien tauchen auf beim Hören. Tief aus dem Unterbewussten, dazu Hooklines und Riffs. Erinnerungen unterschiedlichster Art, aber meist die der seligeren Sorte. Ein Klima des Schönfärbens vielleicht. Aber – ist ja nicht verboten! Ist vielleicht auch nötig, sofern man nicht ganz darin versackt.

Und so ganz stimmt es ja auch nicht mit der musikalischen Rückorientierung. Man bewegt sich durchaus zwischen Tradition und Innovation, zwischen Routine und Wagnis. Denn plötzlich tauchen zwischen Helge Preuß, Axel Uhde & Co sehr junge Gesichter auf. Von Andy Bermig aus seinem „HvF goes Pop-Projekt“ ans Licht der Öffentlichkeit gelockt. Zunächst als Background Vocals, dann aber auch – durchaus hörenswert -Solostimmen, genremäßig zwischen Neuem Deutschem Sensibel-Pop, New Folk und ab und an Rauherem anzusiedeln.

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Und schließlich sogar ein ganzer Chor. Genauer: eine Pitch-Perfect-Gruppe, eine „Barden Bellas“ – Anleihe aus der US-Filmserie. Insgesamt ein überzeugendes Gemisch aus beachtenswert-routiniertem Bandauftritt und nervöser Hingabe der Bühnen-Novizen.

Nicht unbedingt etwas für junge Leute, wie man sehen konnte. Eher etwas für Menschen, die der Hohen Kunst des Sitztanzes frönen. Und nicht zucken, wenn es heißt: „Nimm die Eier in die Hand und groove mit mir!“ Denn es geht um Schütteleier, die zuvor verteilt wurden, um den Sitzgroove punktuell zu unterbrechen.

Klar, mitunter gab es einige musikalische Unbescheidenheiten, die verstören konnten. Es gibt eben Klassiker, an denen man sich besser nicht vergreift, an diesem Abend beispielsweise „All along the Watchtower“ oder „My Girl“. Aber darüber konnte   Reggie Worthys elegantes Tiefton-Bett und sein wuchtiges „Nutbush City Limits“ hinwegtrösten.

Der Wettergott war sehr gnädig gestimmt, und so hielt man gerne und lange aus. Ach, hätte es nicht einfach immer so weitergehen mögen? Nun, es gab ja noch einen zweiten Abend.

 

 

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